Bitcoin zu kaufen ist in wenigen Minuten erledigt, richtig damit umzugehen dauert etwas länger. Die meisten teuren Fehler beim Bitcoin-Investment passieren nicht beim Kauf selbst, sondern davor (falsches Timing, falsches Projekt) oder danach (falsche Aufbewahrung, fehlende Vorsorge). Die folgenden fünf Fehler sehen wir immer wieder, zusammen mit dem, was du stattdessen tun solltest.
1. Schlechtes Timing: Alles auf einmal im Hoch investieren
Der klassische Einsteigerfehler: Bitcoin macht wochenlang Schlagzeilen, der Preis steigt und steigt, und aus Angst, den Einstieg komplett zu verpassen (FOMO, "Fear of Missing Out"), wird ein großer Teil der Ersparnisse auf einen Schlag investiert, genau dann, wenn der Preisanstieg am steilsten ist. Kurz danach folgt häufig eine Korrektur, und der Neueinsteiger sitzt monate- oder sogar jahrelang auf Buchverlusten.
Selbst professionelle Trader mit Vollzeit-Marktbeobachtung schaffen es nachweislich nicht zuverlässig, Hoch- und Tiefpunkte eines Marktes zu treffen. Für Privatanleger ist der Versuch, den optimalen Einstiegszeitpunkt zu erwischen (Market-Timing), daher noch schwieriger.
Die robustere Alternative ist die Dollar-Cost-Average-Strategie (DCA): Statt einer großen Einmalsumme investierst du einen festen Betrag in regelmäßigen Abständen, zum Beispiel monatlich. Dadurch kaufst du automatisch mal zu höheren, mal zu niedrigeren Kursen, dein durchschnittlicher Einstiegspreis glättet sich, und die Angst vor dem "falschen" Zeitpunkt verliert an Bedeutung. Wer in der Vergangenheit über einen rollierenden Zeitraum von vier Jahren monatlich in Bitcoin investiert hat, lag am Ende dieses Zeitraums bislang immer im Plus, unabhängig davon, wann genau innerhalb dieser vier Jahre der Sparplan gestartet wurde. Das ist keine Garantie für die Zukunft, zeigt aber, wie stark Regelmäßigkeit das Timing-Risiko entschärft.
Welche Investitionsstrategien es für das Bitcoin-Investment gibt und worauf du dabei achten solltest, erfährst du ausführlich in unserem Beitrag zur Bitcoin-Investmentstrategie.
21bitcoin bietet einen automatisierten Bitcoin-Sparplan an, mit dem du DCA bequem umsetzen kannst, ohne jeden Monat manuell kaufen zu müssen. Einen Vergleich weiterer Anbieter zum Bitcoin kaufen findest du in unserer Übersicht.
2. Blenden lassen: Ein "besseres" oder "schnelleres" Bitcoin kaufen
Immer wieder tauchen Kryptoprojekte auf, die sich als überlegene Alternative zu Bitcoin vermarkten, schneller, günstiger, "Bitcoin 2.0". Manche sind direkte Abspaltungen des Bitcoin-Netzwerks (sogenannte Forks) wie Bitcoin Cash oder Bitcoin SV, andere sind komplett eigenständige Projekte, die lediglich mit Bitcoin-Ähnlichkeit werben.
Das Problem: Keines dieser Projekte verfügt über dieselbe Kombination der Eigenschaften, die Bitcoin einzigartig machen. Die Sicherheit eines Netzwerks hängt maßgeblich von der eingesetzten Rechenleistung (Hashrate) ab, mit der es gegen Angriffe geschützt ist, und hier liegt Bitcoin mit großem Abstand vor jedem Konkurrenten. Hinzu kommt die Adaption, also wie viele Nutzer, Unternehmen und inzwischen auch Staaten ein Netzwerk tatsächlich verwenden und ihm Wert beimessen, auch hier ist Bitcoin uneinholbar voraus. Und schließlich die Deflation: Nur bei Bitcoin ist die maximale Menge von 21 Millionen Einheiten seit der Gründung unverändert und durch keine zentrale Instanz änderbar. Bei praktisch allen Alternativprojekten liegt diese Kontrolle bei einer kleinen Gruppe von Entwicklern oder Gründern, die die Regeln im Zweifel anpassen können.
Welche Eigenschaften Bitcoin dadurch so einzigartig machen und welchen gesellschaftlichen Nutzen daraus entsteht, erklären wir ausführlich im Beitrag Welches Problem löst Bitcoin?
3. Unsichere Aufbewahrung: Bitcoin dauerhaft auf der Börse liegen lassen
Wenn du Bitcoin auf einer Börse kaufst, befinden sich die privaten Schlüssel, mit denen tatsächlich über die Bitcoin verfügt werden kann, zunächst im Besitz der Börse, nicht bei dir. Du hast lediglich einen Anspruch gegenüber diesem Dritten, dass er dir "deine" Bitcoin auf Wunsch auch tatsächlich auszahlt. Geht die Börse insolvent, wird gehackt oder friert Auszahlungen ein, wie es in der Vergangenheit bereits mehrfach vorgekommen ist, kannst du im schlimmsten Fall leer ausgehen.
Für kleine Beträge, mit denen aktiv gehandelt wird, mag das ein akzeptables Risiko sein. Größere Beträge, die du langfristig halten willst, solltest du dagegen auf eine eigene Hardware-Wallet übertragen. Nur dann befinden sich die privaten Schlüssel tatsächlich in deinem alleinigen Besitz, "Sei deine eigene Bank" ist in diesem Fall keine Floskel, sondern die einzige Möglichkeit, das Gegenparteirisiko einer Börse vollständig auszuschließen.
Wie du Bitcoin sicher von der Börse auf deine eigene Hardware-Wallet überträgst und welches Sicherheitskonzept dahinter steckt, erfährst du Schritt für Schritt in unserem Beitrag Bitcoin sicher verwahren.
Bewährte Hardware-Wallets, mit denen du deine Bitcoin selbst verwahren kannst:
4. Betrugsmaschen: Opfer von Phishing oder gefälschten Anbietern werden
Je bekannter Bitcoin wird, desto professioneller werden auch die Betrugsmaschen. Zu den häufigsten Maschen gehören:
- Phishing-Mails und -SMS, die täuschend echt aussehen und dich auf eine gefälschte Login-Seite deiner Börse locken, um dort deine Zugangsdaten abzugreifen.
- Gefälschte Support-Mitarbeiter in Telegram, Discord oder per Telefon, die sich als offizieller Support ausgeben und dich unter einem Vorwand dazu bringen wollen, Recovery Words oder Fernzugriff auf dein Gerät preiszugeben. Seriöser Support wird dich niemals nach deinen Recovery Words fragen.
- Gefälschte Wallet-Apps in App-Stores, die wie die echte App eines bekannten Anbieters aussehen, deine eingegebenen Schlüssel aber an die Betrüger senden.
- Manipulierte Hardware-Wallets, die bereits mit einer vorgefertigten, den Betrügern bekannten Seed-Phrase ausgeliefert werden. Kaufe Hardware-Wallets deshalb ausschließlich direkt beim Hersteller oder über von ihm autorisierte Händler, niemals gebraucht oder über Kleinanzeigen.
- Gefälschte Investment- oder Verdopplungs-Angebote ("Schicke 1 BTC, erhalte 2 BTC zurück"), oft kombiniert mit gefälschten Prominenten-Empfehlungen.
Kaufe deshalb ausschließlich über die offiziellen Webseiten der Anbieter, überprüfe die URL vor jeder Eingabe von Zugangsdaten sorgfältig, und schütze deine privaten Schlüssel sowie deine Recovery Words konsequent vor jedem Fremdzugriff, digital wie physisch. Weitere Details zum sicheren Umgang mit deinen Schlüsseln und wie du gefälschte Anbieter erkennst, findest du ebenfalls in unserem Beitrag Bitcoin sicher verwahren.
5. Fehlende Steuerüberlegungen: Erst beim Verkauf ans Finanzamt denken
Viele Anleger beschäftigen sich erst dann mit der steuerlichen Behandlung ihrer Bitcoin, wenn sie tatsächlich verkaufen wollen, und stellen dann fest, dass ihnen wichtige Unterlagen fehlen. Informiere dich daher frühzeitig über die steuerlichen Regelungen an deinem Wohnsitz zu Erwerb, Haltedauer und Verkauf von Bitcoin. In Deutschland gilt aktuell beispielsweise noch eine einjährige Haltefrist, nach der Gewinne aus privaten Verkäufen steuerfrei sind, diese Regel steht allerdings politisch zur Diskussion. Die aktuelle Entwicklung dazu haben wir im Beitrag Bitcoin: Der ehrlichste Erfolgsmaßstab der Politik? zusammengefasst.
Damit du im Ernstfall nicht rückwirkend jede einzelne Transaktion der letzten Jahre händisch zusammensuchen musst, lohnt sich der frühzeitige Einsatz einer Tracking-Software. Solche Tools verknüpfen sich mit deinen Börsen-Konten und Wallets, berechnen automatisch Gewinne und Verluste nach den jeweils geltenden nationalen Regeln und erstellen fertige Nachweise für die Steuerbehörde.
Einen vollständigen Vergleich der Anbieter für Bitcoin und Steuern findest du in unserer Vergleichsübersicht.
Fazit
Die meisten dieser fünf Fehler haben eine gemeinsame Ursache: Hektik statt Plan. Wer stattdessen regelmäßig statt panisch kauft, auf Bitcoin statt auf Nachahmer setzt, seine Bitcoin selbst verwahrt statt sie bei Dritten liegen zu lassen, wachsam gegenüber Betrugsversuchen bleibt und sich frühzeitig um die Steuerdokumentation kümmert, hat die größten Stolperfallen beim Bitcoin-Investment bereits umgangen.